Heartbreakers Reunion Tour

Für seine HEARTBREAKERS REUNION TOUR kombiniert der australische Sänger, Damian Rebgetz, Formen des Musiktheaters, des Musicals und der Audio-Tour. In Kleingruppen werden den Teilnehmern synchronisierte Mp3-Player ausgehändigt. Rebgetz führt sie auf einer choreografierten Route durch Braunschweig - zwischen Puff und Kloster.

Die HEARTBREAKERS REUNION TOUR ist inspiriert von Rebgetz’ Faszination für den Typus des mobilen Kopfhörer-Trägers, der sich seit dem späten 20. Jahrhundert eigenständig durch die Stadt navigiert. Seit der Einführung des Walkmans 1979 ist das Kopfhörer-Tragen an öffentlichen Orten ein alltägliches, manchmal sogar das vorherrschende Bild.

Wer Kopfhörer aufsetzt, wird zum technologisierten Hörer, der sich im Stadtraum durch elektroakustisches Audiomaterial orientiert. Er geht und hört in verschiedenen, aber überlappenden Zonen und entdeckt die Synchronisierung von Auge, Ohr und Füßen. Das Gehen und Hören nimmt Einfluss aufeinander und steuert die Navigation. Hierbei sind die Kopfhörer und mit ihnen der Walkman, Discman bzw. Mp3-Player Apparate, die einen tragbaren, privaten Raum des Hörens ermöglichen. Mit wachsender Flexibilität ist es den Hörern möglich, ihre unmittelbare, auditive Umgebung zu filtern, aus- und einzuschalten, je nach dem welches Klangmaterial sie gerade bevorzugen. In der „Schizophonie“ des modernen, urbanen Lebens stellen Kopfhörer eine einzeln kontrollierbare Stimme dar.

Im Umkehrschluss hat die Kontrolle oder Negierung der urbanen Klangumwelt und damit die Privatheit des Hörens offensichtliche Nachteile. Auf sozialer Ebene symbolisiert das Kopfhörer-Tragen eine anti-soziale Haltung. (Wir alle sind vertraut mit diesem Teenager-Klischee.) Privates Hören steht der direkten und realen sozialen Interaktion gegenüber: akustischer Eskapismus. Der Stadtklang muss der Popmusik weichen. Kopfhörer werden die Werkzeuge von uneingeschränktem Individualismus, der sich in jenem eskapistischen Konsum verliert. Darüber hinaus verursachen die anhaltenden Lautstärken Hörschäden. Aus verschiedenen medizinischen, psychologischen und sozialen Gesichtspunkten kann das Kopfhörer-Tragen also als ungesund betrachtet werden.

Rebgetz selbst hat während seiner Jugendzeit und weit darüber hinaus, ununterbrochen Aufnahmen oder Radioübertragungen gehört: „Wann immer ich irgendwohin unterwegs war – zu Fuß, im Bus oder im Auto – ich habe immer irgendetwas gehört.“ Später erst erschien ihm dieses Verhalten unhaltbar: „Ende zwanzig beendete ich diese Gewohnheit unbewusst. Im Nachhinein realisierte ich, dass ich den Klang nicht in solch großer Nähe zu meinen Ohren mochte. Es gefiel mir einfach nicht mehr. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass all das nur in meinem Kopf existieren sollte.“

Die Teilnehmer der HEARTBREAKERS REUNION TOUR tragen Kopfhörer. Sie hören einen Soundtrack, in dem es um das Sich-Verlieben geht. Rebgetz erzählt die Geschichte einer Jugendliebe, in Form eines Mix-Tapes, einer geführten Tour und auch der eines Melodramas. Er leitet die Zuhörerschaft durch die Stadt und nimmt selbst eine Rolle ein, die alles in einem ist: Stadtführer, DJ-Kumpel und Bandenführer in einer romantisierten Stadtlandschaft die über den Klang verhandelt wird.

Während sie sich durch den neudefinierten öffentlichen Raum bewegen, teilen die Teilnehmer ein Geheimnis mit Rebgetz. Im privaten Hörbereich kommt eine exklusive Beziehung zustande. So werden die Zuhörer auch Teil der sentimentalen, musikalischen Fantasterei. Die Negierung der Außenwelt zweier junger Liebender wird zur Metapher für die Kopfhörer tragende Gruppe.

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